Das Warum
Während die A320ceo-Familie mit Airspace-Elementen fit gemacht wird und die Langstrecke mit A350, 747‑8 und A380 in die Allegris-Ära startet, plant Europas größte Airline den nächsten großen Schritt auf der Zubringer-Seite: den Airbus A220‑300 als neuen City-Hopper.
Der Typ soll ab 2026 sukzessive in der Flotte von Lufthansa City Airlines anrollen und mittelfristig ältere A319 sowie Regionalmuster ablösen – mit spürbaren Effizienzvorteilen, moderner Kabine und einem klaren Fokus auf die Drehkreuze Frankfurt und München.
Die Bestellung
Die Weichen für den A220 wurden Ende 2023 gestellt: Der Aufsichtsrat gab grünes Licht für die Bestellung von 40 Airbus A220‑300, ergänzt um Kaufrechte für 20 weitere Flugzeuge. Die Jets sind explizit für Lufthansa City Airlines vorgesehen – die 2023 gegründete Konzerntochter, die seit Sommer 2024 als Feeder-Airline für die beiden Hubs Frankfurt und München fungiert.
Konkurrent Embraer ging in diesem Auswahlprozess leer aus: Gegen den brasilianischen E2-Jet setzte sich der A220 durch, nicht zuletzt wegen seiner Kombination aus Reichweite, Wirtschaftlichkeit und einer Kabine, die gefühlt eher „kleiner A320neo" als „klassischer Regionaljet" ist.
Technische Eckdaten
Die Flugzeuge werden mit 148 Sitzen konfiguriert – in typischer Kranich-Manier mit flexibler Business-Class-Zone in den vorderen Reihen, bei der der Mittelsitz je nach Buchungslage gesperrt wird.
Auf der technischen Seite punktet der A220‑300 mit rund 2,5 Litern Kerosin pro 100 Passagierkilometer und bis zu 25 Prozent geringerem Verbrauch gegenüber älteren Vergleichsmustern in dieser Größenklasse. Mit einer Reichweite von knapp 6.300 Kilometern ist der Typ für das City-Portfolio eigentlich übermotorisiert – diese Reserven geben der Airline aber Flexibilität für längere Randstrecken und hohe Nutzlast bei ungünstigen Windbedingungen.
Launch-Kunde für die Airspace-Kabine
Spannend für Kabinen-Fans: Die Lufthansa Group wird europäischer Launch-Kunde für die neue A220-Airspace-Kabine. Der globale Einführungsplan sieht Air Canada als nordamerikanischen Erstbetreiber, den Kranich als europäischen Launch-Partner und Qantas als Kunden für die Asien-Pazifik-Region – alle drei sollen ihre ersten Airspace-A220 noch 2026 übernehmen.
Damit kommt in den A220 etwas, das viele bisher eher von der A320neo-Familie kennen: vergrößerte Overhead-Bins, voll variable LED-Stimmungsbeleuchtung, neu gestaltete Seitenwände und ein insgesamt „luftigeres" Kabinengefühl. Gerade auf 60–90-Minuten-Sektoren zwischen Hubs und Sekundärstädten sind das Features, die Vielflieger sofort bemerken – etwa wenn der kabinenbreite Gepäck-„Bumper" mehr Rollkoffer aufnimmt und das Boarding einen Tick weniger chaotisch wirkt.
Der Rollout: Evolution, kein Big Bang
Flottenseitig ist der A220 kein großer Knall, sondern eine Evolution in mehreren Stufen:
| Jahr | Flotte City Airlines |
|---|---|
| Ende 2025 | 15 Jets (A320neo + A319) |
| 2026 | ~25 Jets, davon 1× A220 |
| bis 2031 | 40+ Jets mit wachsendem A220-Anteil |
Hintergrund ist die angespannte Produktionslage bei Airbus: Laut Auswertung der Konzernzahlen erwartet die Gruppe für 2026 tatsächlich nur eine A220-Auslieferung an City Airlines, der größere Rollout der restlichen 39 Festbestellungen zieht sich bis etwa 2031. Damit steht fest: Der A220 wird zwar zum Rückgrat der City-Flotte, aber nicht über Nacht.
Crew-Training läuft bereits
Auch die Personal- und Schulungsseite läuft im Hintergrund bereits „warm": Im März 2026 begrüßte Lufthansa City Airlines offiziell den ersten A220-Piloten in ihren Reihen, weitere Crews befinden sich in der Umschulung. Damit verschiebt sich der A220 von der PowerPoint-Folie in die Crew-Room-Realität – ein klares Indiz, dass der Entry-into-Service des Typs im Konzern tatsächlich näher rückt.
Ausblick
Der A220 ist für den Kranich weniger „Nice-to-have" als vielmehr das zentrale Werkzeug, um den Feederverkehr im Kurz- und Mittelstreckennetz effizienter und gleichzeitig attraktiver zu gestalten. Mit Airspace-Kabine, moderner Technik und einer auf 148 Sitze zugeschnittenen Kapazität füllt der Typ genau die Lücke zwischen klassischen Regionaljets und A320.
Für Vielflieger und AvGeeks bedeutet das: Ab Ende 2026 beginnt die Jagd auf die ersten A220-Flüge mit Kranich-Schwesterlogo – zunächst als seltene Sightings in einem A320/319-dominierten Flugplan. Je näher 2030 rückt, desto häufiger wird der kompakte Zweistrahler auf den großen Zubringerachsen zu sehen sein – dann als fester Bestandteil eines Flottenmixes, der Europas größten Netzwerkcarrier auch auf der Kurzstrecke wie eine Airline der 2030er-Jahre anfühlt.