Die Rückkehr des Superjumbos
Der Superjumbo ist zurück – und zwar nicht nur in den Flugplänen, sondern jetzt auch im Innenraum im Hier und Jetzt angekommen. Getrieben von ausverkauften Langstrecken, begrenzten Neubau-Kapazitäten bei Airbus und Boeing und einer überraschend robusten Nachfrage nach Premium-Sitzen hat Lufthansa entschieden, den A380 nicht nur zu reaktivieren, sondern ihm im Upper Deck eine komplett neue Business-Kabine zu spendieren.
Das neue Kabinen-Layout
Statt auf Allegris zu setzen, hat sich Lufthansa im A380 für einen bereits zertifizierten Standardsitz entschieden – den Thompson Vantage XL von Thompson Aero Seating. Ein pragmatischer Schritt, um die Modernisierung des Oberdecks nicht in die Warteschleife weiterer Zulassungsverfahren zu schicken.
Der neue Business-Bereich auf dem Upper Deck umfasst 68 Sitze in einem 1‑2‑1‑Layout, womit alle Passagiere direkten Gangzugang erhalten.
Im Vergleich zur bisherigen 2‑2‑2-Konfiguration mit 78 Sitzen sinkt die Sitzanzahl deutlich, dafür steigen Privatsphäre und Nutzfläche pro Passagier. Die neuen Sitze sind rund 58 cm (22,8 Zoll) breit und lassen sich zu einem Bett von mindestens 2 Metern Länge umbauen – ein klarer Schritt weg vom „Business von gestern", das jahrelang Kritik für mangelnde Privatsphäre einstecken musste.
Zeitplan & Gesamtkonfiguration
Der Umbau des ersten Flugzeugs, D-AIMC, begann Anfang Februar 2026 bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden und dauerte knapp zwölf Wochen. Am 23. April 2026 startete D-AIMC als LH452 von München nach Los Angeles zum ersten Linienflug mit der neuen Business Class. First Class (8 Sitze), Premium Economy (52) und Economy (371) bleiben unverändert – insgesamt hat der umgerüstete A380 499 statt 509 Sitze.
Die übrigen Superjumbos folgen nacheinander, direkt im Anschluss war D-AIMH an der Reihe. Bis Mitte 2027 sollen alle acht A380 umgerüstet sein.
So erkennst du den Retrofit bei der Buchung
Bis alle Flugzeuge umgebaut sind, fliegen beide Versionen parallel. Im Sitzplan bei der Sitzplatzwahl lassen sie sich leicht unterscheiden:
- Retrofit: Business geht bis Reihe 28, pro Reihe nur 4 Sitze. Eine Reihe hat entweder Sitz A oder C (bzw. K oder H), nie beide.
- Bisherige Version: Business endet in Reihe 24, jede Reihe hat 6 Sitze (A C · D G · H K).
Kurzfristige Flugzeugwechsel sind jederzeit möglich – der Sitzplan zeigt immer nur die geplante Version.
Die technischen Herausforderungen
Die Herausforderungen liegen dabei weniger in der Anzahl der Sitze als in der A380-Architektur selbst: Das Upper Deck ist schmaler, die Seitenwände sind stärker geneigt, und Notausgänge sowie Kabinenmonumente wie Bordküchen und Toiletten setzen enge Grenzen für Gewicht und Position neuer Sitze.
Jeder neue Sitztyp bedeutet komplexe Strukturanalysen, angepasste Kabinenverkleidungen und ein enges Zusammenspiel mit den Zulassungsbehörden, um Kopfverletzungskriterien, Evakuierungszeiten und Brandschutz im Upper-Deck-Layout nachzuweisen. Genau deshalb war ein bereits zertifizierter Sitz der schnellere Weg.
Ausblick
Die A380-Renaissance bei Lufthansa ist mehr als Nostalgie – sie ist eine hochgradig rationale Kapazitäts- und Produktentscheidung, die den Superjumbo zum „Flaggschiff für alle, die oben sitzen" macht.
Mit der neuen Business Class auf dem Upper Deck und den schieren Sitzkapazitäten des A380 entsteht ein Produkt, das auf nachfragestarken Strecken wie Nordamerika und Asien jahrelang eine zentrale Rolle spielen dürfte – und der Szene der europäischen Planespotter ihren klaren neuen Liebling liefert.